Vergaser reinigen R 100 GS

Manchmal wünscht man sich eine Einspritzanlage, die soll so herrlich wartungsfrei sein. Weit davon entfernt sind die beiden Bing Vergaser, die in der BMW ihren Dienst tun. Wenn man die Kiste nicht in Reinstraum-Umgebung fährt und der Sprit nicht vorher durch einen Brita Filter gelassen wird, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass die Mühle irgendwann das Ruckeln anfängt. Spätestens jetzt wird man für seine Faulheit, die Dinger regelmäßig zu reinigen, bestraft. Anspruchsvoll ist die Arbeit nicht, nur furchtbar ätzend - wie ich finde. Ich putze einfach nicht gern.

Nachdem man diverse Schlauchschellen vor und hinter dem Vergaser geöffnet hat, kann man sie leicht seitlich herausdrehen. Die beiden Gas- bzw. Choke-Züge sind schnell ausgehängt. Bei Modellen mit SLS den Unterdruckschlauch abziehen und dann versuchen, den Benzinschlauch irgendwie abzubekommen, ohne sich die Finger total zu lädieren. Das Ding ist echt fies. Schwimmerkammer abnehmen, Sprit in den Tank und das letzte “Noagerl” verwenden, um die Kammer damit zu reinigen. In der Regel schwimmt da jede Menge Unrat.

Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich die motorgewandte Seite des Vergasers gesehen habe. Wenn das innen genauso ausschaut, ist es klar, dass die Mühle nicht mehr läuft.

Zuerst äußerlich etwas reinigen. Dann kann man den Startvergaser abbauen. Dazu die kleine Feder aushängen und 4 Schrauben lösen. Am besten bin ich mit Wattestäbchen, die ich mit Feuerzeugbenzin getränkt habe, klar gekommen. Damit geht der Ruß und Dreck am besten weg. Nach dem reinigen Papierdichtung wieder aufsetzen und das Teilchen wieder festschrauben.

Bei dem großen Bruder sind zwei Sachen wichtig: Die Düsen müssen sauber sein und der Durchlass in Richtung Motor. Erst Mal den Unterdruckdeckel abschrauben. Dazu das Stück auf eine stabile Unterlage stellen und die beiden Kreuzschlitzschrauben lösen. Die können mitunter so richtig fest sitzen. Jetzt kann man die Glocke abziehen und zum Vorschein kommt die Membrane nebst Kolben. Die Membrane würde ich nicht lösen - wozu? Auf Risse kontrollieren und den Kolben mit der daran hängenden Düsennadel sauber machen. Auch hier wieder Tuch nebst Benzin. (Ist übrigens blankes Gift für die Haut). Den Durchlass vom Luftfilter zu Zylinder ebenfalls gut reinigen/polieren. Die Drosselklappe NICHT ausbauen. Die Schrauben sind durch eine Körnung gesichert. Beim Herausdrehen zerstört man das Gewinde und braucht eine neue Drosselklappenachse. (So gelernt in den 80ern bei meiner G/S. Wird wohl heute nicht anders sein). Den Vergaser umdrehen, mit einem 8er Schlüssel die Hauptdüse abnehmen, ausblasen und verlieren. Dann mit einem 10er den Düsenstock.

Wenn der Vergaser sauber wäre, würde einem beim Drehen der Rest - Nadeldüse und Zerstäuber - jetzt entgegenfallen. Evtl mit einem kleinen Schraubendreher vorsichtig nachhelfen. Bei der Gelegenheit habe ich gleich schaufelweise den Dreck mit aus der Bohrung geholt. Also auch hier wieder mit Muttis Wattestäbchen, Benzin und Geduld alles blitzeblank rubbeln.

Den ganzen Krempel wieder einsetzen und gefühlvoll zusammenschrauben. Gemischregulierschraube und Leerlaufdüse der Vollständigkeit auch rausdrehen und saubermachen.

Die Gemischregulierschraube bis zum Anschlag eindrehen und dann bei beiden Vergasern genau gleich weit (1 - 1 1/4 Umdrehungen) wieder herausdrehen. Schwimmergehäuse wieder drauf, dann den Vergaserdeckel. Sämtliche Federn wieder einhängen und den Vergaser zwischen den ganzen Muffen und Rohren - die freuen sich bei der Gelegenheit auch, eine gewischt zu bekommen - wieder irgendwie ans Motorrad popeln. Benzinschlauch, Unterdruckschlauch und Bowdenzüge einhängen.

Jetzt Synchronisieren. Dazu vorher die Ventile einstellen und Zündkerzen prüfen/ersetzen. Wie schaut der Luftfilter aus?

Die Drosselklappen-Anschlagschraube herausdrehen, dann so weit rein, dass sie gerade aufsetzt und noch eine Umdrehung. Chokezüge auf gleiches Spiel überprüfen (Schieblehre/Fühlerlehre).

Gaszug auf einer Seite mit 2-3 mm Spiel festschrauben. Die Einstellschraube auf der anderen Seite auf gleiches Spiel bringen. Das geht überraschend gut, wenn man den Gasgriff gefühlvoll so weit aufzieht, bis auf der ersten Seite der Bowdenzug gerade straff ist, kurz bevor sich die Drosselklappe öffnet. Auf der anderen Seite jetzt die Schraube auf die selbe Höhe bringen. Professionell geht es natürlich mit einem Synchrontester. Seit 2019 verwende ich den Carbtune Pro und bin sehr zufrieden.

Nachtrag:
In der Fachwerkstatt werden die zerlegten Vergaser im Ultraschallbad gereinigt. Diese Geräte sind in Profi-Qualität nicht ganz billig und man benötigt sie ja nun nicht täglich. Ich habe mir alternativ ein kleines Gerät für die Reinigung von Brillen zugelegt. Auch hier wird Ultraschall eingesetzt und es passen zumindest die Kleinteile hinein. Kostenpunkt ca. 20,- €.